Mit der Documenta in Kassel hatte sich seit den 60er Jahren in weiten Kreisen von Kunstvermittlern und Künstlern das Bewußtsein wieder dafür geschärft, insbesondere zeitgenössische Kunst im Rahmen kunstwissenschaftlicher Begleitung zu realisieren und auf diesem Wege den kunstwissenschaftlichen Diskurs über die Hochschulen hinaus in die Öffentlichkeit zu bringen. Und das nicht zuletzt, um eine größere Akzeptanz der modernen Kunst zu erwirken, denn diese war aufgrund der zwölfjährigen NS-Diktatur und ihrer Diffamierung der sogenannten Entarteten Kunst äußerst gering. In den 70er Jahren erweiterte sich bei Kunstwissenschaftlern, Kunstpolitikern und Publikum das Interesse für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Die klassische Moderne war nun in Deutschland bekannt und aufgearbeitet. Man wandte sich mehr und mehr der zeitgenössischen Kunst zu, die damit förderungswürdig wurde. Davon profitierte auch die innovative, experimentelle Kunst, die ihren Platz bisher nur in "off"-Galerien gefunden hatte. Sichtbares Zeichen für diese Entwicklung war - in Berlin - u. a. die Gründung der Freien Berliner Kunstausstellung, auf der nun, dank der Unterstützung durch öffentliche Mittel, jährlich eine große Ausstellung mit aktuellen Arbeiten präsentiert wurde, an der sich auch die GEDOK beteiligte.
 
In den 80er Jahren durchlief die GEDOK-Berlin einen strukturellen wie künstlerischen Erneuerungs- und Modernisierungsprozeß. In den verschiedenen Fachbereichen wurde wiederholt eine Kooperation von Künstlerinnen und Kunstwissenschaftlerinnen praktiziert. Beispielsweise wurden die bisher üblichen Jahresausstellungen durch Projekte ersetzt, die Ergebnis der inhaltlichen Auseinandersetzung zwischen allen Beteiligten waren.
 
Dieses erfolgreiche Zusammenwirken bestärkte die GEDOK Berlin darin, Wissenschaftlerinnen als Kunstförderinnen in alle der fünf vertretenen Kunstsparten aufzunehmen: als Kuratorinnen, um aktiv an der Umsetzung von Ausstellungen bzw. Aufführungen mitzuwirken; oder als Vertreterinnen einer der Fachgruppen, die für die Organisation zuständig bzw. Bindeglied zwischen Künstlerinnen und Vorstand sind.
 
Auch für die zukünftige Arbeit der GEDOK ist diese produktive Zusammenarbeit angestrebt. Die GEDOK Berlin möchte mit der gemeinsamen Arbeit von Künstlerinnen, Kunst-, Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaftlerinnen perspektivisch ein lebendiges, dialogorientiertes und projektbezogenes Zusammenwirken von Kunst und Wissenschaft befördern. Dies soll sowohl den Wissenschaftlerinnen als auch den Künstlerinnen ermöglichen, ihre Standpunkte aus dem jeweils anderen Blickwinkel zu reflektieren und Rückschlüsse zum eigenen Tun und Denken zu ermöglichen. Nicht zuletzt soll durch die wissenschaftlichen Partner, sei es als GEDOK-Mitglieder oder als Außenstehende, eine ständige Verflüssigung von Strukturen und Themenbereichen erzielt werden. Am Ende stünden dann im Idealfall eine Ausstellung, Lesung, ein Konzert oder eine interdisziplinäre Veranstaltung, die den Zeitgeist nicht nur bedienen - ohne hier den etwas abgenutzten Begriff der Avantgarde strapazieren zu wollen -, sondern die ihm ein Stück weit voraus sind.
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