Von Beginn an nahm die GEDOK "Kunstgewerblerinnen" auf, wie das in den 20er Jahren hieß, ein Novum unter den Künstlerinnenvereinen, denen sonst ausschließlich Malerinnen und Bildhauerinnen beitreten konnten. Künstlerisch arbeitende Frauen aller Sparten zu unterstützen und zu fördern war die Idee, die zur Gründung der GEDOK geführt hat. Ida Dehmel kannte die Probleme der Kunsthandwerkerinnen aus eigener Erfahrung. Sie selber arbeitete als Perlenstickerin und war dabei so erfolgreich, daß sie in den Vorstand des Werkbundes gewählt wurde, obwohl sie ihre Fähigkeiten ausschließlich autodidaktisch erworben hatte.

In den frühen Mitgliederlisten der Berliner GEDOK ist von der Gruppe "Bildweberei" die Rede, in der ausschließlich Frauen vertreten waren, die in den herkömmlichen Textiltechniken arbeiteten. Mit zunehmender Mitgliederzahl wurde das künstlerische Spektrum dieser Gruppe größer, der Rahmen der Textilkunst überschritten. Die Künstlerinnen verwendeten Ton, Metall, Papier und diverse Kunststoffe. Es entstanden Einzelarbeiten, nicht mehr als Modell für die industrielle Fertigung vorgesehen, sondern Unikate, genauso wie die Werke der freien Kunst.


Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung war es nur konsequent, daß die Gruppe "Bildweberei", längst "Kunsthandwerk" genannt, seit Mitte der 70er Jahre dem Bauhaus-Gedanken entsprechend als "Angewandte Kunst" geführt wurde.


Freie und Angewandte Kunst waren in den großen Jahresausstellungen in den 70er Jahren zunächst gemeinsam vertreten. Die wachsende Zahl der Künstlerinnen führte allerdings Anfang der 80er Jahre zur Trennung der Ausstellungen: Im Haus am Lützowplatz fanden bis 1991 die Jahresausstellungen alternierend für die Angewandte und die Bildende Kunst statt. Zwei schöne Kataloge dokumentieren die 1988 und 1990 gezeigten Arbeiten.


Seit den frühen 90er Jahren hat die Gruppe Angewandte Kunst nahezu jährlich im Palais der Zitadelle Spandau ausgestellt oder im Austausch mit den Künstlerinnen der GEDOK in Hamburg und Hannover. Wie fließend die Grenzen zwischen beiden Bereichen oft sind, konnte die Ausstellung "Gratwanderung" 1993 im Haus am Kleistpark, an der Vertreterinnen der angewandten und der freien Kunst beteiligt waren, überzeugend darstellen.


Künstlerinnen verschiedener Prägung verwenden zunehmend ihr Arbeitsmaterial nicht mehr in der konventionellen Weise, vielmehr wurden die Materialien zur Grundlage von Skulpturen, Bildern, Reliefs oder Installationen. Zu den in dieser Hinsicht wichtigsten Ausstellungen gehörten u.a. 1984 "Textilkunst" und, wie erwähnt, 1993 "Gratwanderung". Beide Ausstellungen zeigten Arbeiten, die mit Kunsthandwerk kaum mehr etwas zu tun hatten bzw. mit dieser Bezeichnung nicht mehr zu klassifizieren waren. Hier spiegelt sich die in diesem Kunstbereich zu beobachtende Tendenz der Entwicklung einerseits in Richtung freie bildende Kunst, andererseits in die des Designs.


Beispielhaft waren die Aktivitäten in den Neuen Bundesländern mit Ausstellungen in Wernigerode und Schwedt. Kooperationsausstellungen 1994/95 mit polnischen, österreichischen und slowakischen Künstlerinnen 1998/99 führten zu engeren Kontakten nach Szczecin, Gorzòw und Bratislava, in Länder also, in denen die angewandte Kunst einen hohen Stellenwert hat. Es ist das erklärte Anliegen der Gruppe Angewandte Kunst, in Zukunft die Kontakte nach Europa weiter zu verstärken.